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Bundesweit fehlen über 3000 Hausärzte

Berlin (dpa) - Im vergangenen Jahr sind vor allem in den deutschen Flächenländern viele Stellen für Hausärzte unbesetzt geblieben. Insgesamt konnten bundesweit 5,9 Prozent der geplanten Plätze für Niederlassungen nicht vergeben werden, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine der Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann hervorgeht.

Die größten Engpässe gab es demnach im Saarland, wo 12,3 Prozent der Stellen unbesetzt blieben. Stadtstaaten wie Hamburg (0 Prozent) und Berlin (0,7 Prozent) waren gemessen an der Planung dagegen deutlich besser mit Allgemeinmedizinern versorgt. Bundesweit blieben insgesamt 3280 Niederlassungsmöglichkeiten für Hausärzte frei, bei Fachärzten waren es 1933.

Auch in Sachsen-Anhalt (10,4 Prozent), Rheinland-Pfalz (9,5 Prozent) sowie in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern (jeweils 8,9 Prozent) ließen sich weniger Hausärzte nieder, als die Bedarfsrechnungen für die Länder vorsehen. In den neuen Bundesländern blieben mit 6,4 Prozent minimal mehr Niederlassungsmöglichkeiten für Hausärzte ungenutzt als in den alten Ländern (5,8 Prozent), teilte die Regierung unter Berufung auf Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung mit.

Die Zahl der unbesetzten Stellen hat sich in den vergangenen Jahren mit Schwankungen tendenziell erhöht. Von 2123 unbesetzten Stellen im Jahr 2014 ging es auf 2875 unbesetzte Stellen 2018 hoch. Weil die Planung für den Bedarf an Hausärzten reformiert wurde, ließen sich die Zahlen von 2019 aber nur bedingt mit denen der Vorjahren vergleichen, hieß es von der Regierung. Für die Zukunft gibt es demnach keine Prognose: «Belastbare Erkenntnisse zu der Frage, wie sich die Situation in den nächsten Jahren entwickeln wird, liegen der Bundesregierung nicht vor.»

Um die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten, gibt es laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung eine Bedarfsplanung für ärztliche Niederlassungen. Der Bund macht dazu Vorgaben und die Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder erstellen basierend darauf regionale Pläne. So wird festgelegt, wie viele Haus- und Fachärzte es in einer Region geben darf. Ist in einer Region eine Versorgung von 110 Prozent erreicht, muss ein Arzt erst auf eine freie Praxis zur Übernahme warten, bevor er sich dort niederlassen kann. Andernfalls darf er einfach eine neue Praxis gründen oder sich von bereits praktizierenden Ärzten anstellen lassen.

Linken-Politikerin Zimmermann kommentierte die Zahlen der Bundesregierung kritisch: «Ärztemangel, weite Wege und lange Wartezeiten auf Termine sind für viele Patientinnen und Patienten seit langem die Normalität.» Vor allem in ländlichen Regionen müsse mehr dafür getan werden, dass sich Ärzte niederlassen.

Die Linken-Abgeordnete, die im Bundestag dem Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vorsitzt, plädierte zudem dafür, das Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung zu beenden. «Das bestehende höhere Vergütungssystem ist auch ein Anreiz für Ärztinnen und Ärzte, sich in Regionen mit überdurchschnittlichen Löhnen mit vielen Privatversicherten niederzulassen.»

© dpa-infocom, dpa:200924-99-689518/2


Text: dpa / Bild: Karl-Josef Hildenbrand (dpa) (24.09.2020)